Tag 0: Weinen, Lachen, Abschied

Mein letzter Abend in Taiwan war fantastisch, er hätte besser nicht sein können. Wobei, ich muss mich korrigieren: mein neuer letzter Abend war fantastisch. An meinem eigentlich letzten Abend, dem 31. März 2015, lag ich mit Schmerzen in meinem Bett und vertrieb mir die Zeit mit meinem Teddybär. Nachdem ununterbrochener Regen in der vorherigen Woche Taipeh – und leider auch mich – unter Wasser gesetzt hatte, hatte ich mir erst eine Grippe und im Zuge dessen eine Mittelohrentzündung zugezogen. Am ersten April hatte zwar eine Palette chemischer Medikamente mich wieder weites gehend hergestellt, aber ich war noch immer in keiner Lage für einen interkontinentalen Flug. An dem Tag, an dem ich eigentlich im Kreis meiner Familie den Geburtstagskuchen meiner Schwester hätte essen sollen, am zweiten April, lag ich immer noch in meinem Bett in Taipeh und weinte zusammen mit meinem Bär vor Heimweh.  Weiterlesen „Tag 0: Weinen, Lachen, Abschied“

Tag 191: Zwei Wochen vor der Heimkehr

Gestern war ein wundervoller Tag. Nach zwei nassen, grauen und kalten Wochen kam endlich wieder die Sonne raus und als ich mittags aus dem Bett kroch, stand sie bereits hoch genug, um geradezu Sommerstimmung zu vermitteln. Ich putzte mich etwas heraus, denn ich war in der besten Laune und mir stand der Sinn danach, besonders hübsch auszusehen. Entspannt und voller Ruhe, weil ich keinen Verpflichtungen nachkommen musste, stürzte ich mich in das Gewimmel vor meiner Wohnung. Ich ließ mich im Trubel der Stadt treiben und merkte etwas Wehmut zwischen all der Glückseligkeit aufkommen, weil meine Abreise naht und weil ich nicht mehr als ein Kalenderblatt brauche, um die Tage zu zählen, die mir in Taiwan verbleiben. Weiterlesen „Tag 191: Zwei Wochen vor der Heimkehr“

Tag 126: Kulturschock und Überwindung

Am 10.12.2014 saß ich frierend vor meinen Heizlüfter gekauert während es draußen aus Eimern goss und schrieb etwas verbittert Tagebuch. „Ich bin lange genug hier, um mich daheim zu fühlen. Aber die Umstände lassen es nicht zu. Ich möchte als eine unter Gleichen leben und ich möchte abends ins Bett gehen und denken ‚was für ein ganz normaler, durchschnittlicher Tag‘ und dann einfach einschlafen.“ Vor einem Monat war ich an einem Wendepunkt, nur, dass ich das zu der Zeit noch nicht wusste, sondern erst jetzt retrospektiv gemerkt habe. Weiterlesen „Tag 126: Kulturschock und Überwindung“

Tag 100: Weihnachten

Dieses Jahr habe ich Weihnachten nicht in der winterlichen Heimat gefeiert, sondern auf der anderen Seite der Welt in subtropischen Klimazonen. Alles war leuchtend, glänzend, blinkend weihnachtlich – aber irgendwie kam die Stimmung nicht einmal auf, als ich mit Weihnachtsmütze im Kreis von Bekannten unter einem (Plastik-)Weihnachtsbaum saß und Geschenke ausgepackt habe. Weiterlesen „Tag 100: Weihnachten“

Tag 83: Verwirrende Wetterlage

Ich bin fast 3 Monate in Taiwan und habe lange nicht mehr geschrieben, denn ich lag mit einer Gehirnerschütterung flach. Das einzig Interessante an der Sache war, dass ich ein taiwanesisches Krankenhaus kennen gelernt habe, wo es keinerlei Privatsphäre gibt, alles hektisch und laut ist und aber dennoch wunderbar organisiert ist (bis auf den Umstand, dass man selbst bzw. Angehörige schauen müssen, wie man von einem Behandlungsraum zum nächsten kommt) und wo Deutsch-Sein sehr großes Interesse auslöst. Ich habe im Zuge der Gehirnerschütterung fast zwei Wochen vor allem mit mir selbst verbracht, aber glücklicherweise kaum gegrübelt – es grübelt sich nicht gut mit Kopfschmerzen. Aber jetzt bin ich wieder fit!  Weiterlesen „Tag 83: Verwirrende Wetterlage“

Tag 45: Heimweh

In den letzten Tagen ließ es sich in Taipeh noch besser leben, als sowieso, denn das Wetter war – und ist noch immer – traumhaft. Strahlend blauer Himmel, nur ein paar kleine Wolken zur Zierde, nicht zu warm, nicht zu kalt und immer von einer kleinen Brise begleitet. Es ist optimales Wetter, um durch die Stadt zu laufen, im Park zu sitzen, am Fluss entlang zu radeln, in die Berge zu gehen, am Strand zu entspannen – das Leben in vollen Zügen auszukosten. Weiterlesen „Tag 45: Heimweh“

Tag 40: Gemütlichkeit

Ich sitze im Park und lasse mir die Herbstsonne ins Gesicht scheinen. Oktoberwetter in Taiwan, habe ich festgestellt, ist wie Aprilwetter in Deutschland: unglaublich unbeständig und ziemlich nass. Die letzten Tage war es schwer, einen Fetzen blauen Himmel zu sehen und meine Mitbewohnerin erklärte seufzend, dass ich mich jetzt daran gewöhnen müsste, bei Regen rauszugehen. Weiterlesen „Tag 40: Gemütlichkeit“